Sabine Buschmann

Wenn unqualifizierte Männer Führungspositionen besetzen können, warum sollten wir dann nicht mutige, visionäre Frauen fördern?

Was würdest du deinem “jüngeren Ich“ raten? Braucht es eine klare Karriereplanung oder sollte man offen für Chancen sein? 

Ich würde meinem “jüngeren Ich“ nichts raten. Die Herausforderungen auf meinem Weg haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Was ich jedoch jeder mitgeben würde: Hab Mut, den nächsten Schritt zu gehen. Viele Menschen halten an dem fest, was sie kennen, und lassen Chancen aus Angst verstreichen. Viele denken auch Sie müssen bereits alles können, bevor sie eine Veränderung wagen, aber es reicht meistens, es lernen zu wollen.  Dabei hilft eine einfache Frage: „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“ In den meisten Fällen ist die Antwort weit weniger dramatisch, als man denkt. Ich bin überzeugt: Man bereut am Ende vor allem die Dinge, die man nicht getan hat. 

Was war rückblickend deine größte Herausforderung auf dem Weg in die Führung? Und was ist heute noch deine größte Herausforderung? 

Als ich meine Führungsrolle übernommen habe, traf ich auf ein Team, das stark verunsichert war. Die größte Herausforderung bestand darin, das Team wieder zusammenzubringen und Vertrauen aufzubauen – in beide Richtungen. Dabei musste ich manchmal sehr konsequent auftreten. Rückblickend würde ich einige Situationen vielleicht anders lösen, aber letztlich hat sich das Team hervorragend entwickelt. Heute liegt meine größte Herausforderung darin, operative Aufgaben loszulassen und Verantwortung stärker zu delegieren. 

Was hat sich in den letzten Jahren bei der Chancengleichheit getan und wo siehst du noch Potenzial? 

Sichtbarkeit ist ein entscheidender Faktor. Sie entsteht durch Netzwerke, durch den Mut, Fragen zu stellen und die eigene Meinung einzubringen. Gleichzeitig sollten wir uns gegenseitig ermutigen und unterstützen. Positiv ist, dass es heute deutlich mehr Netzwerke und Förderformate für Frauen gibt. Dennoch müssen wir bestehende Muster weiter aufbrechen. Viele Frauen unterschätzen sich noch immer und bewerben sich oft nicht auf Positionen, für die sie geeignet wären. Deshalb ist es wichtig, Selbstvertrauen zu stärken, Chancen aktiv zu nutzen und sich mit Überzeugung zu zeigen. 

Interviewt von: Maria Fuchs | Kreissparkasse Köln, Alina Weitz | Ströer
Sabine Buschmann
Leiterin Vorsorgemanagement | Albatros