Mehr Frauen in Führung – aber wie eigentlich?

Diese Frage stellen sich viele Unternehmen. Und die meisten haben die Antwort schon irgendwo in der Schublade. Diversity-Strategie, Zielvorgaben, vielleicht sogar ein Mentoring-Programm. Und trotzdem bleibt die Nadel erstaunlich oft stehen.

Woran liegt das?

 

Wichtigste Erkenntnisse

  • Mehr Frauen in Führung entsteht nicht durch Absichtserklärungen, sondern durch strukturelle Entscheidungen.
  • Die größten Hebel liegen nicht dort, wo viele Unternehmen suchen.
  • Wer Frauen wirklich fördern will, muss die Bedingungen verändern, nicht die Frauen.

 

Das Problem sitzt tiefer als die Pipeline

Viele Unternehmen glauben, sie hätten ein Pipeline-Problem. Zu wenige qualifizierte Frauen. Zu wenige, die sich bewerben. Zu wenige, die aufsteigen wollen.

Das stimmt so nicht.

Was es tatsächlich gibt: Strukturen, die Frauen systematisch ausbremsen. Entscheidungen, die in informellen Runden fallen, zu denen Frauen seltener Zugang haben. Karrierewege, die Brüche nicht verzeihen. Sichtbarkeit, die sich nicht automatisch ergibt, sondern aktiv hergestellt werden muss.

Das ist das eigentliche Problem. Und es lässt sich lösen – aber nicht mit einem Workshop pro Quartal.

 

Was wirklich wirkt: Sichtbarkeit schaffen, bevor sie gefordert wird

Frauen werden seltener für sichtbare Projekte nominiert. Seltener als Speakerinnen vorgeschlagen. Seltener in die Räume geholt, in denen Karrieren entschieden werden. Das passiert nicht aus böser Absicht. Es passiert, weil wir Menschen zu denen tendieren, die uns ähnlich sind.

Die Gegenbewegung muss aktiv und bewusst sein: Wer wird als nächstes für welches Projekt sichtbar? Wessen Name fällt, wenn ein Beförderungsgespräch beginnt? Diese Fragen müssen institutionell gestellt werden, nicht dem Zufall überlassen.

 

Netzwerke, die tatsächlich öffnen

Netzwerke sind Kapital. Und wie bei jedem Kapital ist der Ausgangspunkt entscheidend. Frauen haben oft starke Netzwerke untereinander, aber seltener Zugang zu den Netzwerken, in denen Entscheidungen fallen.

Unternehmen, die das ernst nehmen, schaffen gezielt Verbindungen über Hierarchien und Abteilungsgrenzen hinweg. Cross Mentoring-Programme bei denen Mentees und Mentorinnen bzw. Mentoren aus unterschiedlichen Unternehmen zusammenkommen – sind hier besonders wirksam, weil sie genau das aufbrechen: die eigene Blase.

Bei Female Resources erleben wir das in unserem CROSS MENTORING täglich. Was Frauen durch diese Verbindungen gewinnen, ist nicht nur Wissen. Es ist Zugang. Perspektive. Und das Gefühl, in Räumen zu gehören, in die sie vorher nicht eingeladen waren.

 

Entwicklung, die zu echter Führung befähigt

Programme, die Frauen vor allem in Soft Skills schulen, greifen zu kurz. Was Frauen in Führung wirklich braucht, sind Räume, in denen sie Führung üben können. Mit echten Entscheidungen, echtem Feedback, echter Sichtbarkeit.

Das kann inhouse passieren – mit gut strukturierten Inhouse-Mentoring-Programmen, die gezielt auf die eigene Unternehmenskultur eingehen. Und es kann unternehmensübergreifend passieren, weil der Blick von außen oft das sichtbar macht, was von innen unsichtbar bleibt.

 

Die Unternehmenskultur selbst auf den Prüfstand stellen

Hier wird es unbequem. Denn oft ist nicht das Programm das Problem. Es ist die Kultur, in die Frauen zurückkehren, nachdem das Programm endet.

Flexible Arbeitszeiten, die tatsächlich genutzt werden dürfen, ohne Karrierekosten. Führungsmodelle, die nicht ausschließlich auf Vollzeit-Präsenz ausgelegt sind. Beförderungsentscheidungen, die transparent und nachvollziehbar sind. Das sind keine Nice-to-haves. Das sind Grundvoraussetzungen.

Wer diese Strukturen nicht anfasst, kann noch so viele Fördermaßnahmen einführen – der Effekt verpufft.

 

Warum das eine Führungsfrage ist, keine HR-Frage

Echte Veränderung entsteht nicht in der Personalabteilung. Sie entsteht dort, wo die eigentliche Macht sitzt: bei denjenigen, die Budgets vergeben, Teams zusammenstellen und entscheiden, wessen Ideen gehört werden.

Solange Führungskräfte Diversität als HR-Thema delegieren, bleibt es ein Randthema. Sobald es zur Führungsverantwortung wird – wie jede andere strategische Entscheidung auch – verändert sich etwas.

Gender Management auf Unternehmensebene bedeutet genau das: nicht nur Einzelpersonen zu entwickeln, sondern auch die Bedingungen zu verändern, unter denen sich alle entwickeln können. Das ist die eigentliche Hebelfrage. Und sie lässt sich nicht mit Absichtserklärungen beantworten.

 

Was wir uns wünschen

Dass Unternehmen aufhören zu fragen, warum es so wenige Frauen in Führung gibt. Und anfangen zu fragen, was sie selbst dazu beigetragen haben.

Das ist keine Schuldfrage. Es ist eine Gestaltungsfrage.

Und wer gestalten will, muss genau dort anfangen: bei den eigenen Strukturen, den eigenen Entscheidungen, der eigenen Kultur.

Der Rest folgt.

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