Wie wichtig ist dir das Thema Netzwerken? Wie meisterst du auf LinkedIn und Co den Grad zwischen nicht zu wenig aktiv aber auch nicht zu aufdringlich zu sein oder gibt es kein zu viel?
Netzwerken ist für mich wichtig, aber nicht im Sinne von Quantität, sondern von Qualität. Es geht nicht darum, möglichst sichtbar zu sein, sondern relevant. Ein gutes Netzwerk entsteht aus echtem Interesse, Vertrauen und Austausch auf Augenhöhe.
Gerade auf Plattformen wie LinkedIn ist für mich die Balance entscheidend: präsent sein, ohne aufdringlich zu wirken. Ich teile Inhalte dann, wenn ich wirklich etwas beizutragen habe.
Besonders wichtig sind mir Frauennetzwerke, weil sie Räume für gegenseitige Unterstützung, Orientierung und Entwicklung schaffen.
Ich glaube nicht an ein ‚zu viel‘ an Aktivität, sondern eher an ein ‚zu wenig Klarheit‘. Authentizität ist dabei der beste Filter – den Maßstab setzt jede und jeder selbst.
Findest du, dass für Frauen in Führung aktiv noch mehr gemacht werden müsste oder sind die aktuellen Angebote ausreichend, um mehr Frauen für Führungspositionen zu stärken?
In den letzten Jahren wurde viel angestoßen, und viele Angebote sind sinnvoll und wichtig. Gleichzeitig sehe ich Potenzial, weniger im Sinne von ‚mehr‘, sondern im gezielteren Tun.
Was Frauen in Führung stärkt, sind nicht nur Programme, sondern gleichwohl Strukturen, die Führung ermöglichen. Viele Modelle sind historisch gewachsen und passen nicht immer zu unterschiedlichen Lebensrealitäten.
Frauen sollten nicht gefördert werden, um Quoten zu erfüllen, sondern um Potenziale zu entfalten. Entscheidend ist ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Führung heute aussehen kann, und die Bereitschaft, Strukturen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Hast du in deiner beruflichen Laufbahn bisher schon Situationen erlebt bei denen du aufgrund deiner Herkunft, deines Aussehens oder deines Geschlechts anders behandelt wurdest als deine Kolleginnen oder Kollegen. Wie hast du das empfunden und wie bist du damit umgegangen und was würdest du jungen Kolleginnen in solchen Situationen raten?
Ja, solche Situationen habe ich erlebt – meist subtil. In meiner beruflichen Laufbahn gab es Momente, in denen ich aufgrund meines Geschlechts, meines Aussehens und insbesondere in jüngeren Jahren auch wegen meines jungen Erscheinungsbildes anders wahrgenommen wurde, vor allem dann, wenn man mich noch nicht kannte.
Gerade Frauen, die feminin auftreten oder jünger wirken, werden im Berufsleben schneller eingeordnet. Positionen, Verantwortung und Erfolge werden häufig kommentiert oder hinterfragt, noch bevor fachliche Kompetenz im Fokus steht. Bei Männern werden äußere Merkmale deutlich seltener mit beruflichem Erfolg verknüpft.
Für mich war wichtig, diesen Zuschreibungen mit fachlicher Präsenz und innerer Stärke zu begegnen.
Mein Rat an junge Kolleginnen: Bleibt bei euch, macht eure Kompetenz sichtbar und lasst euch nicht verunsichern. Entscheidend sind dabei Authentizität, eine klare innere Ausrichtung und Selbstvertrauen.
