Netzwerken als Frau – aber richtig

Das Wort „Netzwerken“ löst bei vielen Frauen ein leises Unbehagen aus. Es fühlt sich an wie Eigenvermarktung, wie strategisches Kalkül, wie etwas, das man tut, wenn man etwas will. Unangenehm. Fast ein bisschen opportunistisch.

Dabei ist Netzwerken nichts anderes als das, was Männer seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich tun. Nur dass es für sie einen anderen Namen hat: Beziehungen pflegen.

 

Wichtigste Erkenntnisse

  • Ein Netzwerk ist kein Adressbuch. Es ist Kapital.
  • Interne, externe und Mentoring-Netzwerke erfüllen unterschiedliche Funktionen, und alle drei braucht es.
  • Wer wartet, bis sie gebraucht wird, fängt zu spät an.

 

Kontakte sind nicht dasselbe wie ein Netzwerk

Das ist der erste und wichtigste Unterschied. Viele Frauen haben viele Kontakte. LinkedIn-Verbindungen, Visitenkarten von Konferenzen, Kolleginnen, mit denen man gut kann. Aber ein Netzwerk ist etwas anderes.

Ein Netzwerk ist aktiv. Es besteht aus Menschen, die wissen, was du kannst. Die deinen Namen nennen, wenn eine Chance entsteht. Die dich empfehlen, auch wenn du nicht im Raum bist.

Kontakte schlafen. Netzwerke arbeiten.

Der Aufbau eines echten Netzwerks braucht keine große Strategie, aber er braucht Bewusstsein. Und er beginnt früher, als die meisten denken, nämlich jetzt, nicht wenn man die nächste Stelle sucht.

 

Das interne Netzwerk: unterschätzt und oft vernachlässigt

Viele Frauen bauen starke Netzwerke nach außen und vergessen dabei das Naheliegendste: die eigene Organisation.

Das interne Netzwerk ist oft das mächtigste, weil es dort am direktesten wirkt, wo Entscheidungen über Beförderungen, Projekte und Sichtbarkeit fallen. Wer kennt deine Arbeit? Wessen Vertrauen hast du gewonnen? Wessen Radar bist du?

Das klingt nach Politik. Ist es auch. Aber es ist die Art von Politik, die jede Führungskraft betreibt, bewusst oder unbewusst.

Konkret bedeutet das: nicht nur innerhalb der eigenen Abteilung denken. Beziehungen zu anderen Teams, anderen Hierarchieebenen, anderen Standorten aufbauen. Wer nur nach unten oder zur Seite netzwerkt, verpasst die Räume, in denen Karrieren entstehen.

 

Das externe Netzwerk: der Blick, der alles verändert

Wer nur im eigenen Unternehmen denkt, denkt zu klein.

Externe Netzwerke öffnen Horizonte, die intern nicht sichtbar sind. Sie geben Orientierung: Wie läuft es woanders? Was machen andere Unternehmen? Was bin ich auf dem Markt wert?

Diese Fragen klingen selbstbewusst. Sie sind es auch. Und genau das ist der Punkt.

Frauen, die stark extern vernetzt sind, verhandeln anders. Sie treten Gesprächen anders gegenüber, weil sie wissen, dass sie Optionen haben. Dieses Wissen verändert Haltung. Und Haltung verändert Ergebnisse.

Externe Netzwerke entstehen nicht von allein. Sie brauchen Investition: Branchenveranstaltungen, Fachgruppen, Communities, Konferenzen. Und manchmal auch den ungewohnten Schritt, sich aktiv einzubringen, als Speakerin, als Autorin, als Stimme.

Wer nur konsumiert, bleibt unsichtbar.

 

Mentoring-Netzwerke: der Hebel, den viele unterschätzen

Mentoring ist kein Coaching. Und es ist keine Einbahnstraße.

Ein gutes Mentoring-Netzwerk gibt nicht nur Rat, es öffnet Türen. Die Mentorin oder der Mentor bringt Erfahrung mit, aber vor allem Zugang. Zu anderen Menschen, anderen Perspektiven, anderen Kreisen.

Was Mentoring so wirkungsvoll macht, ist genau das, was informelle Netzwerke sonst leisten: Es schafft Vertrauen über Hierarchien und Kontexte hinweg. Jemand, der für dich bürgt, der dich weiterempfiehlt, der dich in Gespräche zieht, die du sonst nicht gehabt hättest. Das ist kein kleines Ding.

Cross-Mentoring-Programme, bei denen Mentorin bzw. Mentor und Mentee aus unterschiedlichen Unternehmen kommen, sind hier besonders wirkungsvoll. Sie brechen die eigene Blase auf. Man spricht offener, denkt breiter und gewinnt Zugang zu Netzwerken, die sonst verschlossen bleiben.

Bei Female Resources erleben wir das täglich in unserem CROSS MENTORING. Was Frauen dort entwickeln, ist nicht nur berufliche Klarheit. Es ist das Selbstverständnis, in Räume zu gehören, zu denen sie vorher keinen Schlüssel hatten.

Netzwerken ist keine Tugend. Es ist eine Entscheidung.

Wer wartet, bis das Netzwerk gebraucht wird, wartet zu lang. Ein Netzwerk, das im Moment der Not aufgebaut wird, ist keines. Es ist ein Hilferuf.

Die gute Nachricht: Netzwerken muss sich nicht falsch anfühlen. Es muss sich nicht nach kalkuliertem Karrieredruck anfühlen. Es kann aus echtem Interesse entstehen, aus Großzügigkeit, aus dem Wunsch, anderen zu geben, bevor man selbst etwas braucht.

Wer gibt, bevor sie nimmt, baut. Und wer baut, hat.

Das ist keine romantische Vorstellung vom Netzwerken. Das ist, wie es funktioniert.

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