Wenn Sie auf Ihren Karriereweg zurückblicken: Welche Entscheidung hat Ihre Laufbahn am stärksten geprägt und was würden Sie heute jungen Führungskräften raten, wenn sie vor einer ähnlich richtungsweisenden Entscheidung stehen? Mit Blick auf Ihre über 40-jährige Betriebszugehörigkeit: War Ihnen Ihr Weg bis in den Vorstand eigentlich von Anfang an klar oder hat sich diese Perspektive erst im Laufe der Zeit entwickelt?
Einen festen Plan mit dem Ziel „Vorstand“ hatte ich nie. Zu Beginn meiner Ausbildung war ich mir sogar unsicher, ob ich den richtigen Weg gewählt habe. Besonders prägend war der Wechsel in den Kundenkontakt – vor allem die Begegnung mit einer älteren Dame, die sich keine neue Brille leisten konnte und ihre Möglichkeiten nicht kannte. Dieser Moment hat mir gezeigt, wie viel schon kleine Gesten bewirken können und wurde zu einem prägenden Antrieb für mich, im Alltag einen echten Unterschied für andere zu bewirken. Mein Weg ist daraus Schritt für Schritt gewachsen, getragen von Neugier, Einsatz und der Bereitschaft, Chancen zu ergreifen. Zudem hatte ich damals Wegbegleiter, die mich unterstützt, gefördert und gefordert haben – heute würde man wohl sagen Mentorinnen und Mentoren. Jungen Führungskräften rate ich, den Blick nicht nur auf den nächsten Karriereschritt zu richten, sondern sich in der Breite weiterzuentwickeln, Neues auszuprobieren, Feedback anzunehmen und getroffene Entscheidungen bei Bedarf zu überdenken.
Was macht aus Ihrer Sicht heute eine wirksame Führungskraft aus und welche Haltung oder Fähigkeit hat Ihnen persönlich besonders geholfen, in eine Vorstandsrolle hineinzuwachsen?
Für mich bedeutet wirksame Führung, bewusst Verantwortung für Menschen zu übernehmen. Authentizität ist dabei zentral: klar kommunizieren, eine Meinung vertreten und gleichzeitig offen für andere Perspektiven bleiben. Ich bin überzeugt, dass ich nicht alles selbst wissen muss, entscheidend ist ein Team, dem ich vertraue und das unterschiedliche Aspekte einbringt. Eine offene Austauschkultur und regelmäßige Selbstreflexion helfen mir dabei, meiner Verantwortung gerecht zu werden und die Wirkung meines Handelns bewusst zu steuern.
Gab es in Ihrer Karriere einen Moment, in dem Sie bewusst Ihre Komfortzone verlassen mussten und was haben Sie aus dieser Erfahrung für Ihren weiteren Weg mitgenommen?
Das Verlassen meiner Komfortzone hat meine berufliche Laufbahn immer wieder geprägt. Neue Aufgaben, etwa im Controlling oder der Regionaldirektion, haben meinen Blick erweitert und meinen Erfahrungsschatz vergrößert. Der Wechsel in den Personalbereich hat mir zudem eine neue Perspektive auf das Unternehmen, seine Strukturen und auf die Mitarbeitenden eröffnet. Dabei habe ich gelernt, dass Wachstum vor allem durch Veränderung entsteht und weniger durch das Verharren in Bekanntem.
Rückblickend hat mir geholfen, Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und gleichzeitig offen für Unterstützung zu bleiben. Genau das würde ich auch jungen Führungskräften empfehlen: bewusst Herausforderungen annehmen und sich dabei durch Mentoren und ein gutes Umfeld begleiten lassen.